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Mittagsschlaf im Kindergarten: Sinnvoll oder prekär?

Von Katarina Sass

Das Problem kennen viele Eltern von Kindern, vor allem zwischen dem 4. und dem 6. Lebensjahr: Der Mittagsschlaf im Kindergarten. Galt der Schlaf über die Mittagsstunden noch vor 30 Jahren als unerlässlich und wurde ohne Ausnahme in den Einrichtungen konsequent umgesetzt, ist dieser Teil des Tagesrhythmus heute in den Einrichtungen je nach Träger etwas aufgeweicht worden. Dennoch ist er fester Bestandteil.

Viele Eltern beklagen allerdings, dass ihr Kind im Kindergarten mittags nicht mehr schlafen wolle, sich gelangweilt auf der Liege drehe und dafür abends nur schlecht einschlafe. Manche Eltern berichten, dass die Kinder nicht mehr in die Einrichtung gehen wollen, weil sie gezwungen wären, liegen zu bleiben. In vielen Einrichtungen ist eine Trennung zwischen den schlafbedürftigen Kindern und jenen, die fit sind aus personellen Gründen nicht möglich – also müssen sich alle hinlegen. Und die Erzieher nutzen die Schlafenszeit für ihre eigene Pause bzw. für organisatorische Dinge.

Doch die Frage bleibt: Ab wann benötigen Kinder im Kindergarten keinen Mittagsschlaf mehr? Kurz gesagt: Das Bedürfnis des Kindes nach Mittagsschlaf muss individuell bestimmt und kann nicht pauschal festgelegt werden, vor allem je älter sie werden. Das ist das Ergebnis einer Empfehlung der Arbeitsgruppe Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Schlafdauer und damit auch das Schlafbedürfnis am Tag mit den Jahren deutlich abnimmt. Ein Kind benötigt dann Mittagsschlaf, wenn seine individuelle Gesamtschlafdauer (gemessen an 24 Stunden) nicht erreicht wird. Nur dann hat der Mittagsschlaf auch Vorteile: Es wirkt sich auf das Gedächtnis aus, Gelerntes wird abgespeichert, während das Gehirn sich regeneriert und das Gespeicherte kann später schneller wieder abgerufen werden. Allerdings bedeutet es gleichzeitig, dass diese Kinder mit höherer Wahrscheinlichkeit später am Abend einschlafen und auch länger dafür benötigen.

Wird ein Kind allerdings entgegen seines Bedürfnisses nachdrücklich angehalten, Mittagsschlaf zu machen, kann sich dies tatsächlich negativ auswirken. Eine Studie, die allerdings in japanischen Kindergärten erstellt wurde, hat bewiesen, dass diese Kinder über Einschlafprobleme klagten, dass sie das Gefühl haben nachts nicht ausreichend Schlaf zu bekommen, entsprechend Probleme beim morgendlichen Aufstehen hatten und nicht in die Kita wollten. Kinder, deren Schlafdauer permanent ignoriert wird, können eine Schlafstörung entwickeln.

Selbst wenn Eltern ihr Kind gut kennen und einschätzen können, ob es ausreichend schläft oder ob sich der Mittagsschlaf nachteilig auswirkt – Einfluss haben sie im Kindergarten nur bedingt. Hier sind clevere Konzepte gefragt, wie sie in vielen Einrichtungen zum Teil schon praktiziert werden, beispielsweise durch räumliche Trennung und ggf. der Aufstockung des Personals. Oft genug scheitert es aber genau daran.

Die DGSM empfiehlt in jedem Fall, den Kindern eine Ruhephase zu ermöglichen. Schlaf kann nicht erzwungen werden. Kinder, die schlafen möchten, sollten die Gelegenheit dazu haben. Bei Einschlafproblemen am Abend kann die Mittagsschlafdauer verkürzt werden.

Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe gibt es hier (link)

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