Kita-Stadtelternrat-Rostock

Medienerziehung im Kindergarten – muss das sein?

"In einem Handbuch für ErzieherInnen steht geschrieben, dass Kinder von früh an in einer Medienwelt leben und dass Pädagogen die Aufgabe hätten, Kinder an diese Medien heranzuführen. Dieses Handbuch kam zur Jahrtausendwende auf den Markt – der Medienwandel war dort noch voll im Gange und ist es bis heute. Doch hier beginnt das Problem: Wo fängt Mediennutzung an, wo hört sie auf? Klar, niemand würde Büchern den unschätzbarem Wert abstreiten, dass sie die Fantasie der Kinder beflügeln, sie mitnehmen auf eine Reise in eine Welt fernab des Alltäglichen. Bilderbücher können gut und schön bebildert sein, so dass sie dieses Ziel erreichen. Medien bedeutet auch ein Hörspiel über CD oder - noch moderner – MP3. Es schult das konzentrierte Zuhören und hat den gleichen Effekt wie Bücher. Beides bereichert Kindern, das ist sicherlich unbestritten. In der heutigen Zeit und besonders im Vorschulalter sind es in einigen Kindergärten vielleicht sogar Erklärvideos über den Computer, die den Kindern auf anschauliche Weise ein bestimmtes Thema näher bringen und sinnvoll informieren, sodass die Fünf- bis Sechsjährigen etwas lernen. In diesem Alter saugen sie Informationen wie einen Schwamm auf.

Und genau deshalb gehört eine Entwicklung im Kindergarten auf die Tabu-Liste: Lange Kinder- und "Disney"-filme. Denn wenn Erzieher ihren Auftrag der Medienerziehung zu genau oder nicht ernst genug nehmen, entsteht eine falsche Haltung: Sie denken, dass Kinder an Medien „gewöhnt“ sind und dass sie deshalb auch ruhig mal an einem verregneten Vormittag einen "Disney"-film sehen können. Doch das ist ein Trugschluss. Nicht nur, weil Kinder sich unterschiedlich entwickeln und die Bilder ganz anders wahrnehmen können, als man glaubt. Sondern auch, weil niemand kontrollieren kann, welches Kind was verarbeitet und mit sich ausmacht. Ich habe es selbst erlebt, dass mein Sohn Angst vor Albträumen hatte, weil er im Kindergarten einen Film gesehen hatte.

Welchen pädagogischen Zweck soll es also haben, wenn Kindern Trickfilme in Spielfilmlänge schauen dürfen, zumal in einer Einrichtung, in der es die Erzieher eigentlich besser wissen müssten? Das nächste Problem ist, dass Eltern mitentscheiden sollten, was und ob das Kind etwas gucken darf. Nicht jedes Kind, das mit „Petersson und Findus“ aufwächst, kann was mit „Lego Ninjago“ anfangen und umgekehrt. Ist es vertretbar, wenn nur in „Ausnahmefällen“ Filme geschaut werden? Nein, ist es nicht. Denn Kindergartenkinder empfinden es beileibe nicht als Stress, wenn sie draußen mit ihren Freunden toben dürfen oder – wenn schon nicht das - sie drinnen Legotürme um die Wette bauen. Es schult alle Sinne, fördert das Sozialverhalten und macht obendrein Spaß. Mediennutzung ist also nicht gleich Medienerziehung und sollte von jedem Erzieher sinnvoll eingesetzt werden."

Der Kita-Stadtelternrat bedankt sich für diesen Elternbrief von Katarina Sass. Und in der Tat ist dieses Thema höchst brisant und viel diskutiert in der Allgegenwärtigkeit von bewegten Bildern im öffentlichen Raum durch elektronische Banner, Bildschirme und Werbung oder auch durch Smartphones, TV und Tablets zu Haus. Es gibt verschiedene Angaben zur empfohlenen Höchstdauer von Mediennutzung bei Kindern. Aber generell stimmen sie in der Angabe "Weniger ist mehr" überein wie zB. hier (link) oder hier: (link) nachzulesen. Für Kinder im Kita-alter zwischen 3-6 Jahren sind darin Maximalwerte von 30 Minuten am Tag angegeben.

Das Bundesministerium für Familie (BMFSFJ) regt mit der Initiative "Schau HIN! Was dein Kind mit Medien macht." (link) zu einem aktiven Auseinandersetzen von Medien und Medieninhalten an. Es betont dabei die Notwendigkeit des aktiven Begleitens, also Gespräch, Austausch und Reflexion über Inhalte, Bilder und Beiträge und bewertet dies als zentrales Element zum Erlangen von Medienkompetenz.

Wie handhabt ihr dieses Thema in eurer Kita?

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