Kita-Stadtelternrat-Rostock

Der KSER Rostock nimmt Stellung zur Schließung zweier Kitas

1) Aus aktuellem Anlass

Am 9. Januar 2020 wurde öffentlich bekannt, dass Rostocker Behörden zwei Kitas geschlossen haben und Ermittlungen vorantreiben, weil offenbar erhebliche Zweifel an der Gewährleistung des Kinderschutzes vorliegen, wie es dazu in der Presseberichterstattung heißt (u.a. NNN vom 09.01.2020, S. 1). Die bisher öffentlich bekannten Fakten sind noch lückenhaft und der Kita-Stadtelternrat möchte auch im Blick auf die noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen und den Grundsatz der Unschuldsvermutung noch keine abschließenden Bewertungen im Einzelfall vornehmen. Dennoch steht zumindest in einem Fall auch der Verdacht im Raum, dass Kinder konkreter Gewalt und übergriffigem Verhalten seitens des pädagogischen Personals ausgesetzt waren und wir möchten die gegenwärtige Lage zum Anlass nehmen, um auf einige grundlegende Erwartungen und Anforderungen hinzuweisen.

2) Kindeswohl und Opferschutz gehen immer vor

Für den Kita-Stadtelternrat ist völlig selbstverständlich, dass die Wahrung und Garantie des Kindeswohls die oberste Handlungsmaxime aller verantwortlichen Stellen sein muss und in besonderen Fällen auch die Schließung von Einrichtungen rechtfertigt. Wir erwarten allerdings auch, dass eine solche Maßnahme nach höchsten Standards der Krisenintervention erfolgt und dass die davon betroffenen Kinder zusammen mit ihren Eltern angemessen und ihren Bedürfnissen entsprechend begleitet werden. Wir erwarten, dass besondere Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird, dass mögliche Betroffene von Gewalt schnell und nachhaltig alle Hilfe erhalten, die sie benötigen und dass spezialisierte Fachstellen konsultiert werden, u.a. auch im Blick auf die Wahrung von Rechten minderjähriger Gewaltopfer in Ermittlungsverfahren. Außerdem erwarten wir, dass die Betreuungssituation der von den Schließungen betroffenen Kinder über die akute Phase hinaus gesichert wird und angemessener Ersatz gefunden wird, der insbesondere an den Bedürfnissen der Kinder orientiert ist. Der Stadtelternrat wird mit seinen Möglichkeiten außerdem der Frage nachgehen, ob die in diesem Zusammenhang erforderlichen Maßnahmen rechtzeitig und ausreichend getroffen wurden und weiter werden.

3) Ermittlung und Aufarbeitung müssen umfassend und transparent erfolgen

Der Stadtelternrat begrüßt, dass offensichtlich auch Ermittlungsbehörden in die Aufklärung der im Raum stehenden Vorwürfe einbezogen sind. Wir erwarten, dass die Ermittlungen gründlich und umfassend erfolgen und dass über die Ergebnisse größtmögliche Transparenz hergestellt wird. Wir halten es dabei für selbstverständlich, dass nicht nur etwaige Missstände in den Einrichtungen, sondern im Bedarfsfall auch alle Verantwortlichkeiten im Umfeld der Einrichtungen z.B. bei Behörden oder anderen Stellen angemessen beleuchtet und aufgearbeitet werden. Insbesondere erwarten wir Klarheit darüber, ob die zuständigen Stellen die ggf. erforderlichen Maßnahmen zur Aufklärung von Verdachtsmomenten und zum Schutz der Kinder zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ergriffen haben. Wir erwarten außerdem, dass aus den gewonnenen Erkenntnissen alle notwendigen Konsequenzen gezogen werden und dass die zuständigen Stellen dies transparent und nachhaltig verfolgen.

4) Prävention ist eine Daueraufgabe

Im Übrigen sehen wir eine andauernde und langfristige Aufgabe darin, dass Kinder gewaltfrei aufwachsen können und dass die dafür notwendigen Bedingungen im Alltag der Kinder auch gegeben sind. Nach Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention ist dies das verbriefte Recht der Kinder, das in Deutschland zudem den Rang eines Bundesgesetzes hat und anzuwenden ist. Zu diesen Bedingungen gehören Erwachsene, die Kinder achten und ihre persönliche Integrität respektieren. Es gehören aber auch strukturelle Voraussetzungen dazu, wie eine ausreichende materielle Versorgung, gesellschaftliche Teilhabe oder genügend und gut qualifiziertes Personal in Bildungseinrichtungen sowie vieles mehr. Wir haben in der Vergangenheit etwa immer wieder darauf hingewiesen, welche negativen Folgen das Fehlen oder der dauernde Wechsel von Kita-Personal für die Entwicklung der Kinder und die Gewährleistung ihrer Rechte auf Schutz und Förderung hat und tun dies auch in diesem Zusammenhang erneut. Zudem braucht es nach wie vor unser aller Engagement dafür, dass der Schutz vor Gewalt und Grenzverletzungen die höchste Priorität hat. Kinder sollen in einer Kultur der Stärkung und des Selbstbewusstseins aufwachsen, in der sie sich für ihre Bedürfnisse stark machen dürfen sowie Grenzüberschreitungen artikulieren und ohne Scheu zurückweisen können und zugleich auf kürzestem Wege vertrauensvolle Hilfe und Unterstützung erfahren.

Der Vorstand des Kita-Stadtelternrates Rostock

Die Stellungnahme als PDF

{{ message }}

{{ 'Comments are closed.' | trans }}