Kita-Stadtelternrat-Rostock

Gesund ja, aber nicht nur mittags

von Katarina Sass

Gesundes Essen in der Kita ist ein Dauerthema. Auch der Kita-Stadtelternrat hat sich bereits damit beschäftigt. Was unsere Kinder essen, soll möglichst gesund, ausgewogen und abwechslungsreich sein. Die Politik hat dies längst erkannt.

Eines von vielen Gütesiegeln ist das „Fit-Kid“-Zertifikat (link), das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf deren Internetseiten angepriesen wird. Es bekommt die Kita, die Schule, der Träger, die die üblichen Angebote macht und besonders innovativ ist. Von allen Bundesländern liegt Mecklenburg-Vorpommern an dritter Stelle, was die Häufigkeit betrifft (von allen, die sich mit einer Veröffentlichung auf der Internetseite einverstanden erklärt haben). 24 Einrichtungen und Träger haben sich hierzulande zertifizieren lassen, davon liegt der überwiegende Teil zwischen Ribnitz-Damgarten und Stralsund. Was das Zertifikat besonders macht ist, dass es das Kriterium „Umgang mit Süßigkeiten oder Verpflegung bei Festen“ aufgenommen hat. Das ist ein nicht zu unterschätzender Qualitätsstandard.

In Rostock wurde das Zertifikat bislang nur ein Mal vergeben – an einen Caterer. Das Unternehmen „Natürlich essen MV“ UG bietet all ihren Kunden gesunde Mahlzeiten an. Der Caterer bekommt das Siegel sicherlich ausschließlich für seine Angebote zur Frühstücks- und Mittagszeit. Was außerhalb dieser Mahlzeiten geschieht, liegt nicht im Einflussbereich des zertifizierten Caterers. Doch was nützt das gesündeste Mittag des Landes, wenn der Kitaträger die Augen verschließt vor den vielen Ausnahmen? Wie zum Beispiel zum Fasching, an Sommer- und Weihnachtsfesten, an Geburtstagen? Es gibt Kitas, da ist es üblich, dass zu Festen die Popcornmaschine angeworfen wird, an denen es Gummibärchen en masse gibt und Eltern zum Geburtstag ihrer Sprösslinge Schokolade und Kuchen mitbringen. Und die Reste der Süßigkeitenberge vom Familenfest vom Wochenende oder vom Besuch der Oma werden Montags zum Verteilen in die Kita mitgebracht.

Jedes Jahr kommt die Zahnputzschwester und / oder die Zahnputzfee in die Kindergärten. Trotz dieser Kontrollmaßnahmen haben 12,3% von 8241 untersuchten dreijährigen Kindern in MV behandlungsbedürftige Zähne. 80% dieser Gebisse sind laut Studie zum Zeitpunkt der Erhebung noch nicht saniert. Bei den Kindern der ersten Klasse liegt der Anteil an kariösen Zähnen über dem Durchschnitt (Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V.: (link)).

Da sind nicht nur die Eltern hinsichtlich einer ausgewogenen Ernährung und der Zahnpflege gefragt, sondern auch die Pädagogen.

"Deutsche Kinderhilfe spezial" - die neue Broschüre ist da!

Unter dem Motto „Bildung ist MEHR wert! Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ ist das neue Magazin "Deutsche Kinderhilfe spezial" erschienen.

Das Magazin berichtet mit interessanten Artikeln, Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundes- politik sowie Beiträgen namhafter Expertinnen und Experten über aktuelle bildungspolitische Fragen, Probleme und Herausforderungen. Themen wie Chancengleichheit, Digitalisierung, kulturelle Vielfalt, Inklusion oder Radikalisierung aber auch die Personalsituation und -entwicklung an Kitas und Schulen stehen dabei im Fokus der Artikel.

Das Bildungsmagazin informiert kompakt und kompetent über die Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland sowie über beispielhafte Projekte. Es soll zum Nachdenken anregen und Diskussionen anstoßen.

Das Magazin kann hier (link) elektronisch heruntergeladen werden.

Bei Interesse und Bedarf können auch gerne - unentgeltlich - Exemplare der Print-Version bei Frau Yade Lütz unter luetz@kindervertreter.de angefordern werden.

Viel Spaß beim Lesen!

Smartphone und Co: Mediennutzung in der Kita

Und wieder haben wir das Thema Mediennutzung in der Kita auf dem Programm. Professor Manfred Spitzer ist seit 1998 ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, an der er auch die Gesamtleitung des 2004 dort eröffneten Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) inne hat (Wikipedia).

Professor Spitzer ist bereits in vielen Interviews im Radio, Zeitung und TV zu immer dem ähnlichen Thema als Experte befragt worden: Wie beeinflusst die Nutzung von Tablets und Smartphones das Lernen und die Entwicklung unserer Kinder. Eine lose Suche Im Netz und YouTube schafft schnell einen Überblick über die verschiedenen Stationen, bei denen er immer die gleiche Botschaft verbreitet: Schluss mit der Digitalisierung von Bildungseinrichtungen für Kinder. Oft scharftzüngig und und mit spitzen Kommentaren aber immer fundiert auf wissenschaftlichen Studien und Erkenntnissen klärt er darüber auf, was die derzeitige Digitalisierung mit den Gehirnen unserer Kinder macht. Immer wieder argumentiert er mit Studienergebnissen aus den renomiertesten Universitäten der Welt. Zum Beispiel beschreibt er, dass das Nutzen von Smartphone und Tablet in den Vorschuljahren eher schadet als nutzt, da bei dem einseitigen Wischen über eine glatte Fläche, die wichtige motorische Stimmulation der Hände fehlt, die überhaupt erst einen Lernreflex im Gehirn erzeugt. Studien belegen auch, das die Digitalisierung der Schulen, WLan und Tablets dem konzentrierten Lernen von Sachverhalten eher schadet als hilft. "Die Schüler sind zu abgelenkt". Zudem braucht es Fachwissen, um aus Informationen die das Netz bietet, die "Richtigen" von den "Falschen" zu unterscheiden. Weiterhin belegen Studien, dass das Lernen durch Papier (also über Bücher, Schreiben mit der Hand, Lesen und Vorlesen) dauerhafter Behalten wird, als beim Verarbeiten durch Tippen, über Bildschirme oder digitales Hören.

Eine Auswahl an Beiträgen ist hier als Artikel: (link), hier als Radiointerview (link) oder auch aus dem TV (link), (link) einmal zusammengetragen.

Natürlich kennen wir die Argumente der Journalisten oder Beitragenden. Aber ein genaueres Betrachten der Argumente von Herrn Spitzer stärkt und fördert das eigene Bewusstsein im Umgang mit Smartphones und Co und fördert so hoffentlich eine ECHTE Medienkompetenz. In diesem Sinne viel Spaß beim Googeln nach Beiträgen von Prof. Manfred Spitzer.

Synopse KiföG 6 Änderung 2018

Das KinderFörderungsGesetz (KiföG) wird immer mal wieder aktualisiert. Die letzte Änderung des Gesetzes wurde 2018 vorgenommen. Eine wunderbare Gegenüberstellung des "alten" und des "neuen" Gesetzes gibt es hier (link) zum Nachlesen. Die roten Passagen sind dabei die ergänzten oder veränderten Abschnitte. Viel Spaß beim Lesen.

Medienerziehung im Kindergarten – muss das sein?

"In einem Handbuch für ErzieherInnen steht geschrieben, dass Kinder von früh an in einer Medienwelt leben und dass Pädagogen die Aufgabe hätten, Kinder an diese Medien heranzuführen. Dieses Handbuch kam zur Jahrtausendwende auf den Markt – der Medienwandel war dort noch voll im Gange und ist es bis heute. Doch hier beginnt das Problem: Wo fängt Mediennutzung an, wo hört sie auf? Klar, niemand würde Büchern den unschätzbarem Wert abstreiten, dass sie die Fantasie der Kinder beflügeln, sie mitnehmen auf eine Reise in eine Welt fernab des Alltäglichen. Bilderbücher können gut und schön bebildert sein, so dass sie dieses Ziel erreichen. Medien bedeutet auch ein Hörspiel über CD oder - noch moderner – MP3. Es schult das konzentrierte Zuhören und hat den gleichen Effekt wie Bücher. Beides bereichert Kindern, das ist sicherlich unbestritten. In der heutigen Zeit und besonders im Vorschulalter sind es in einigen Kindergärten vielleicht sogar Erklärvideos über den Computer, die den Kindern auf anschauliche Weise ein bestimmtes Thema näher bringen und sinnvoll informieren, sodass die Fünf- bis Sechsjährigen etwas lernen. In diesem Alter saugen sie Informationen wie einen Schwamm auf.

Und genau deshalb gehört eine Entwicklung im Kindergarten auf die Tabu-Liste: Lange Kinder- und "Disney"-filme. Denn wenn Erzieher ihren Auftrag der Medienerziehung zu genau oder nicht ernst genug nehmen, entsteht eine falsche Haltung: Sie denken, dass Kinder an Medien „gewöhnt“ sind und dass sie deshalb auch ruhig mal an einem verregneten Vormittag einen "Disney"-film sehen können. Doch das ist ein Trugschluss. Nicht nur, weil Kinder sich unterschiedlich entwickeln und die Bilder ganz anders wahrnehmen können, als man glaubt. Sondern auch, weil niemand kontrollieren kann, welches Kind was verarbeitet und mit sich ausmacht. Ich habe es selbst erlebt, dass mein Sohn Angst vor Albträumen hatte, weil er im Kindergarten einen Film gesehen hatte.

Welchen pädagogischen Zweck soll es also haben, wenn Kindern Trickfilme in Spielfilmlänge schauen dürfen, zumal in einer Einrichtung, in der es die Erzieher eigentlich besser wissen müssten? Das nächste Problem ist, dass Eltern mitentscheiden sollten, was und ob das Kind etwas gucken darf. Nicht jedes Kind, das mit „Petersson und Findus“ aufwächst, kann was mit „Lego Ninjago“ anfangen und umgekehrt. Ist es vertretbar, wenn nur in „Ausnahmefällen“ Filme geschaut werden? Nein, ist es nicht. Denn Kindergartenkinder empfinden es beileibe nicht als Stress, wenn sie draußen mit ihren Freunden toben dürfen oder – wenn schon nicht das - sie drinnen Legotürme um die Wette bauen. Es schult alle Sinne, fördert das Sozialverhalten und macht obendrein Spaß. Mediennutzung ist also nicht gleich Medienerziehung und sollte von jedem Erzieher sinnvoll eingesetzt werden."

Der Kita-Stadtelternrat bedankt sich für diesen Elternbrief von Katarina Sass. Und in der Tat ist dieses Thema höchst brisant und viel diskutiert in der Allgegenwärtigkeit von bewegten Bildern im öffentlichen Raum durch elektronische Banner, Bildschirme und Werbung oder auch durch Smartphones, TV und Tablets zu Haus. Es gibt verschiedene Angaben zur empfohlenen Höchstdauer von Mediennutzung bei Kindern. Aber generell stimmen sie in der Angabe "Weniger ist mehr" überein wie zB. hier (link) oder hier: (link) nachzulesen. Für Kinder im Kita-alter zwischen 3-6 Jahren sind darin Maximalwerte von 30 Minuten am Tag angegeben.

Das Bundesministerium für Familie (BMFSFJ) regt mit der Initiative "Schau HIN! Was dein Kind mit Medien macht." (link) zu einem aktiven Auseinandersetzen von Medien und Medieninhalten an. Es betont dabei die Notwendigkeit des aktiven Begleitens, also Gespräch, Austausch und Reflexion über Inhalte, Bilder und Beiträge und bewertet dies als zentrales Element zum Erlangen von Medienkompetenz.

Wie handhabt ihr dieses Thema in eurer Kita?